
Der Berlinale Palast.
(Photo: © Erik Weiss / Berlinale 2022)
Heute abend um 19 Uhr öffnet sich im Palast am Marlene-Dietrich-Platz zu Berlin der Vorhang für die 76. Berlinale. Es ist die zweite Berlinale der gefühlt noch immer neuen Intendantin Tricia Tuttle. Die US-Amerikanerin, die zuvor einige Jahre das London Film Festival erfolgreich geleitet hat, steht auf Ihrem Berlinale-Posten durchaus in der Tradition ihrer Vorgänger auf der Berlinale-Kommandobrücke Wolf Donner, Moritz de Hadeln, Dieter Kosslick und Carlo Chatrian. Die reine Verwaltungsleiterin Mariëtte Rissenbeek und den nazistischen Filmverführer Alfred Bauer nehme ich hier mal raus.
Was ist das für eine Tradition, in die sich Tricia Tuttle da einreiht? Es ist die Tradition, das Filmschaffen der ganzen Welt in seiner gesamten Breite und Tiefe repäsentativ abzubilden. Von der filmischen Beobachtung menschlichen Leidens im grausamen Krieg im Kongo „Trop c’est trop“ hin zur komischen und bitterbösen Familiensatire „Rosebush Pruning“, vom bewegenden Historiendrama „Rose“ (mit Sandra Hüller!) bis hin zum aberwitzigen SciFi-Abenteuer „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ – alles drin in der Berlinale-Wundertüte. Auch so manches Graubrot mit harter Kruste steckt in der Tüte – das gehört dazu und will auch gegessen werden.
Die nächsten zehn Tag werden wieder anstrengend für dich, lieber Berlinale-Fan jeden Geschlechts, die Berlinale wird dich fordern, sie wird dir dreihundert Filme vor die Nase setzen, sie wird dich aufstöhnen lassen „Wie soll ich das alles schaffen?“, sie wird dich durch die Stadt hasten lassen, kreuz und quer, sie wird dir den Schlaf rauben, zumindest den Schlaf im Bett, in den Kinosälen wird sie dir manchen ungewollten Schlaf schenken, sie wird dir nur wenig Zeit zum Essen lassen, sie wird dich frieren lassen, sie wird dich schwitzen lassen, sie wird dich nass machen, sie wird dir eine Erkältung bringen, vielleicht auch noch Rückenschmerzen, sie wird dich eine Stange Geld kosten, sie wird dir alles abverlangen, was du hast, sie macht das, um dich glücklich zu machen, das wird sie schaffen, du wirst zehn rauschhafte Tage erleben, genieße sie!
Siehe auch:
Tricia Tuttles Erste
Es ist wieder Berlinale!
Kai aus der Kiste
Niemand will’s gewesen sein
Filme, Filme Filme
Berlinale im Sturmwind